Herz aus Eis

29. März 2007

Warum manche Menschen nicht fühlen

"Manchmal denke ich, ich bin innerlich tot", sagt Renate. Sie ist Mitte 40, zuverlässige Mitarbeiterin in einer Baufirma, Mutter eines erwachsenen Sohnes, verheiratet mit einem Mann, der sie liebt. Eines Tages bricht Renate mit körperlichen Symptomen zusammen. "Ich war nur noch unendlich müde", sagt sie und versteht die Welt nicht mehr. Nachdem keine körperlichen Ursachen festzustellen sind, weder Medikamente noch andere Therapien helfen, lässt einer der vielen Ärzte, die Renate aufsucht, die verzweifelte Frau in eine Nervenklinik einweisen. Hier findet sie Hilfe in der psychosomatischen Abteilung, denn hier wird endlich das Problem erkannt. Renate ist alexithym. Sie ist blind für Gefühle, für die anderer, besonders aber für die eigenen. Wut, Trauer, Freude, Ekel, Angst sind ihr fremd. Statt zu fühlen, wird sie körperlich krank. Ein Phänomen, das keineswegs selten ist. Nach Schätzungen von Experten, die sich mit dieser Krankheit befassen, sind etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung davon betroffen. Arme und Reiche, Frauen und Männer. Meist Menschen, die nüchtern betrachtet, perfekt "funktionieren."

"Ich will es immer allen recht machen", berichtet Frank. Ein groß gewachsener, gut aussehender, weit gereister Geschäftsmann. "Meine langjährige Lebensgefährtin hat mir zum Vorwurf gemacht, dass ich nichts fühle", sagt er. Frank erinnert sich konkret an den Tod eines Freundes, einer Situation, in der er keine Traurigkeit empfand.

Anders äußert sich das Phänomen bei dem 22-jährigen Istvan. Er ist ehrgeizig und hart gegen sich selbst, geht aus Ungarn in die Fremde nach Deutschland, will immer nur der Beste sein. Er hat sein Leben voll im Griff, bis er einmal zuschlägt und wegen Körperverletzung verurteilt wird. Hinzu kommt der Unfalltod seines Bruders, der löst Chaos im Leben von ihm aus. Der junge Mann wird wegen eines epileptischen Anfalls in die Klinik eingeliefert. Hier, in der Abteilung für psychosomatische Medizin, finden die Ärzte heraus: Er ist körperlich gesund, doch auch er ist alexithym. "Als ich das Wort "psycho" gelesen habe, war es ein Schock für mich", sagt Istvan. Wie Renate und Frank, muss er sich selbst gegenüber eingestehen: das Problem sind Gefühle, die Angst machen.

Der Ursprung für diese Störungen liegt meist in einer traumatisierenden Kindheit. Alexithymie, Gefühlsblindheit, ist quasi über Nacht zu einem sehr aktuellen Thema der Hirnforschung geworden. Neueste Gehirnuntersuchungen ergeben, dass Menschen, die von Alexithymie betroffen sind, Funktionsveränderungen in Gehirnbereichen zeigen, was auch bildlich nachweisbar ist.

Neue Erkenntnisse der Hirnforschung

Alexithymie ist ein Phänomen, das keineswegs selten ist. Nach Schätzungen von Experten, die sich mit dieser Krankheit befassen, sind etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung davon betroffen, Männer mehr (11,1 Prozent) als Frauen (8,9 Prozent). Meist sind es Menschen, die – nüchtern betrachtet – perfekt "funktionieren".   Emotionsforscher versuchen, den Ursachen der Alexithymie auf die Spur zu kommen. 

In den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das Phänomen in Amerika an Menschen festgestellt, die den Holocaust überlebt hatten. Jahrzehntelang blieb es ein Rätsel, wie diese psychologische Störung entsteht. Jetzt erst, nachdem erkannt wurde, wie viele Menschen davon betroffen sind und welches Leid es mit sich bringt, wurde Alexithymie quasi über Nacht zu einem der aktuellsten Themen der Gehirnforschung. Die Mutter-Kind-Beziehung ist elementar für eine emotionale Gesundheit.

Erlebnisse, die prägen

Der Ursprung für diese Störungen liegt meist in einer traumatisierenden Kindheit. Neueste Studien zeigen eindeutig, dass der Zugang zu der eigenen Gefühlswelt wie auch zu der anderer Menschen grundlegend durch die Beziehung von Mutter und Kind geprägt wird. Gehirnuntersuchungen ergeben, dass Menschen, die von Alexithymie betroffen sind, Funktionsveränderungen in Gehirnbereichen zeigen, was auch bildlich nachweisbar ist.

Wer die Signale der Mitmenschen nicht deuten und darauf angemessen reagieren kann, steht gesellschaftlich und auch zwischenmenschlich schon bald außen vor.

Wie man alexithymen Betroffenen heutzutage wirklich helfen kann, darüber informieren:

Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Direktor Prof. Dr. Manfred E. Beutel
Arzt und Diplom-Psychologe
Tel.: 06 131/17 28 41
beutel@psychosomatik.klinik.uni-mainz.de
Leitende Dipl. Psych. Dr. Claudia Subic-Wrana
Tel.: 06 131/17 21 96
Subic-wrana@psychosomatik.klinik.uni-mainz.de
Untere Zahlbacher Str. 8
55131 Mainz

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Institut für psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Prof. Dr. Matthias Franz
Nervenarzt, Psychiater, Psychoanalytiker, Neurowissenschaftler
Tel.: 02 11/81 18 338
Matthias.franz@uni-duesseldorf.de

Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf 

Medizinische Hochschule Hannover
Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie
Prof. Dr. Harald Gündel
Nervenarzt, Psychiater, Psychoanalytiker
Tel.: 05 11/53 26 569
Guendel.harald@mh-hannover.de
Carl-Neuberg-Str.1
30625 Hannover  

Klinikum rechts der Isar der TU München
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Prof. Dr. Peter Henningsen
Tel.: 089/41 40 43 10
P.henningsen@tum.de
PD Dr. Martin Sack
Tel.: 089/41 40 43 12
Langer Str. 3
81675 München  

Harlachinger Krankenhaus München
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Prof. Dr. Michael von Rad
Tel.: 089/62 10 28 96
psychosomatik@khmh.de
Sanatoriumsplatz 1
81545 München

Verbote und Gebote

12. Juni 2006

“Lass nicht den Wasserhahn solange offen, wenn du am Waschbecken bist” ist Botschaft, die viele von ihren Eltern her kennen. Man nennt sie auch eine Elternbotschaft. Darin steht

  • ein Gebot: Mit Wasser sorgfältig umzugehen und
  • ein Verbot: Verschwenderisch zu sein.

Begrifflich ist ein Verbot eine Untersagung eines bestimmten Verhaltens: Derjenige, an den sich das Verbot richtet, also der Adressat des Verbots, darf dasjenige nicht tun, was Gegenstand des Verbots ist.

Das Verbot ist eine Einschränkung der menschlichen Freiheit.
Die Berechtigung oder Möglichkeit, ein Verbot auszusprechen, fußt entweder auf einer entsprechenden sozialen Übereinkunft, die ihrerseits wiederum politisch, religiös oder aus dem sozialen Status motiviert sein kann, oder auf der bloßen Ausübung von Macht.
Es kann auch ein relativer Verbotssatz vorliegen, der ein Verhalten nur einer Einzelperson oder einer bestimmten Personengruppe untersagt. Anderen ist das Verhalten aber gestattet.

Gebot bezeichnet: in der Ethik eine verbindliche Handlungsanweisung, an die sich alle halten. Die Ethik beschäftigt sich damit, was gutes oder schlechtes Handeln ausmacht. Eine Ethik sagt, wie der Mensch handeln soll und wie nicht, bzw. wie er sich beim täglichen Handeln zu entscheiden hat.
Dazu gehören die Auseinandersetzung mit dem Ausmaß individueller menschlicher Freiheit sowie eine Bestimmung von Gut und Böse.

Wenn eine Botschaft wie oben genannt von den realen Eltern kommt, kann man die Botschaft im Rahmen deren sozialen Status annehmen und sich damit auseinander setzen.
Kommt eine solche Botschaft innerhalb einer Beziehung oder Partnerschaft vor, dann deutet dies auf ein vielschichtiges Problem hin, dem man sich mit den folgenden Fragen nähern kann:

  • Welches Gebot wird hier verletzt und woher stammt dieses Gebot ?
  • Ist es ein allgemein verbindliches Gebot oder gilt es nur für den speziellen häuslichen Bereich ?
  • Wer hat das Gebot aufgestellt?
  • Geht es um einen wirklichen Inhalt oder nur um Ausübung einer bestimmten Macht?
  • Was beinhaltet das Verbot?
  • Woher kommt das Verbot?
  • Wovor soll das Verbot schützen?
  • Hat das Verbot einen inhaltlichen Aspekt oder nur Machtaspekte?

In einer Beziehung muss man sich Fragen, wie man mit Macht innerhalb der eigenen Beziehung umgeht.

  • Ist man in einem partnerschaftlichen Verhältnis, bei dem die Macht gleichmäßig verteilt und wechselbar ist ?
  • Oder lebt man in einem hierarchischen System, bei dem die Macht auf bestimmte Personen festgelegt ist ?

Derjenige der die Macht hat, kann Verbote aussprechen oder auch aufheben.

Man muss sich in jeder Beziehung, um die offenen und versteckten Gebote und Verbote kümmern und klären, welche für Beziehung gelten sollen und welche nicht.

Es ist die persönliche Entscheidung eines jeden, welche Verbote er für sich aufhebt und welche nicht. Derjenige übernimmt mit dem Aufheben eines Verbotes oder Gebots dann auch persönliche die Verantwortung für sein Tun und Handeln und kann sich dabei nicht mehr auf eine höhere Instanz berufen.

Bücher zum Thema Beratung

12. Juni 2006

Im Weblog http://buchweblog.webmg.de/ finden Sie unter anderem Bücher zum Thema Paar-Beratung. Dort stelle ich ich Ihnen Bücher vor, die ich gelesen habe und die ich für das Thema lesen wert halte. Es gibt dort gleichzeitig eine BücherWiki mit Begriffen,  Zitaten und Zusammenfassungen aus den vorgestellten Büchern. Wenn sie dort mitarbeiten wollen, schicken sie mir eine eMail mit ihren Daten und ein Passwort, dann trage ich sie als User ein und sie können mit schreiben. 

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11. Juni 2006

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