Verbote und Gebote
“Lass nicht den Wasserhahn solange offen, wenn du am Waschbecken bist” ist Botschaft, die viele von ihren Eltern her kennen. Man nennt sie auch eine Elternbotschaft. Darin steht
- ein Gebot: Mit Wasser sorgfältig umzugehen und
- ein Verbot: Verschwenderisch zu sein.
Begrifflich ist ein Verbot eine Untersagung eines bestimmten Verhaltens: Derjenige, an den sich das Verbot richtet, also der Adressat des Verbots, darf dasjenige nicht tun, was Gegenstand des Verbots ist.
Das Verbot ist eine Einschränkung der menschlichen Freiheit.
Die Berechtigung oder Möglichkeit, ein Verbot auszusprechen, fußt entweder auf einer entsprechenden sozialen Übereinkunft, die ihrerseits wiederum politisch, religiös oder aus dem sozialen Status motiviert sein kann, oder auf der bloßen Ausübung von Macht.
Es kann auch ein relativer Verbotssatz vorliegen, der ein Verhalten nur einer Einzelperson oder einer bestimmten Personengruppe untersagt. Anderen ist das Verhalten aber gestattet.
Gebot bezeichnet: in der Ethik eine verbindliche Handlungsanweisung, an die sich alle halten. Die Ethik beschäftigt sich damit, was gutes oder schlechtes Handeln ausmacht. Eine Ethik sagt, wie der Mensch handeln soll und wie nicht, bzw. wie er sich beim täglichen Handeln zu entscheiden hat.
Dazu gehören die Auseinandersetzung mit dem Ausmaß individueller menschlicher Freiheit sowie eine Bestimmung von Gut und Böse.
Wenn eine Botschaft wie oben genannt von den realen Eltern kommt, kann man die Botschaft im Rahmen deren sozialen Status annehmen und sich damit auseinander setzen.
Kommt eine solche Botschaft innerhalb einer Beziehung oder Partnerschaft vor, dann deutet dies auf ein vielschichtiges Problem hin, dem man sich mit den folgenden Fragen nähern kann:
- Welches Gebot wird hier verletzt und woher stammt dieses Gebot ?
- Ist es ein allgemein verbindliches Gebot oder gilt es nur für den speziellen häuslichen Bereich ?
- Wer hat das Gebot aufgestellt?
- Geht es um einen wirklichen Inhalt oder nur um Ausübung einer bestimmten Macht?
- Was beinhaltet das Verbot?
- Woher kommt das Verbot?
- Wovor soll das Verbot schützen?
- Hat das Verbot einen inhaltlichen Aspekt oder nur Machtaspekte?
In einer Beziehung muss man sich Fragen, wie man mit Macht innerhalb der eigenen Beziehung umgeht.
- Ist man in einem partnerschaftlichen Verhältnis, bei dem die Macht gleichmäßig verteilt und wechselbar ist ?
- Oder lebt man in einem hierarchischen System, bei dem die Macht auf bestimmte Personen festgelegt ist ?
Derjenige der die Macht hat, kann Verbote aussprechen oder auch aufheben.
Man muss sich in jeder Beziehung, um die offenen und versteckten Gebote und Verbote kümmern und klären, welche für Beziehung gelten sollen und welche nicht.
Es ist die persönliche Entscheidung eines jeden, welche Verbote er für sich aufhebt und welche nicht. Derjenige übernimmt mit dem Aufheben eines Verbotes oder Gebots dann auch persönliche die Verantwortung für sein Tun und Handeln und kann sich dabei nicht mehr auf eine höhere Instanz berufen.
